Wege aus der Krise: Drei Schritte für den Gesangunterricht

Wie kann man im Unterricht ganz praktisch mit dem Phänomen der sprachlichen Prägung umgehen? Im Folgenden sollen nun abschließend drei Schritte für den Gesangsunterricht vorgestellt werden, die zum Ziel haben, die sprachliche Heimat, Identität, Würde und Freiheit des Schülers ernst zu nehmen, bewusst zu machen und ihn darin zu fördern.

 

Wertschätzung

 

Gesang zu unterrichten bedeutet nicht in erster Linie, etwas aufzubauen, was noch gar nicht da wäre. In vielen Fällen müssen nur Steine aus dem Weg geräumt werden, damit der Schüler einen ungehinderten Zugang zu sich selbst und seiner stimmlichen Ausdruckskraft findet. Eine wichtige Grundlage hierfür kann der Lehrer dadurch legen, dass er dem Schüler Wertschätzung entgegenbringt. Denn wer sich aufmacht und das Wagnis eingeht, seine Stimme einem Gesanglehrer anzuvertrauen, der verdient schon allein für seinen Mut Respekt. Schließlich öffnet er sich einer in der Regel fremden Person und macht sich verletzlich, indem er sich auf ein intensives Arbeiten an Stimme und Persönlichkeit einlässt. Weil er sich freiwillig entwaffnet, steht ihm ein besonderer Schutzraum zu. Er braucht Schutz vor verneinenden Stimmen, um sich frei entfalten zu können. Diese Stimmen können aus seiner eigenen Psyche, von seiner Umwelt oder von seinem Lehrer kommen.

 

Der Weg zur Verbundenheit mit sich selbst, der eigenen Stimme und der Musik wird nicht selten durch Felsblöcke der Missachtung verbaut. Ein Gefühl von Minderwertigkeit kann eines der größten Hindernisse für die Öffnung der Gesangsstimme sein. Geringe Selbstachtung kann sich durch Unsicherheit im Auftreten und Angst vor dem Klang der eigenen Stimme äußern. Aber - und hier liegt die Schwierigkeit - sie kann sich auch durch das Gegenteil zeigen, nämlich durch vermeintlichen Stolz und übertriebene Selbstsicherheit in bestimmten Gebieten.

 

Es könnte zum Beispiel sein, dass ein pubertierender Schüler überheblich über ein muttersprachliches Kinderlied lacht, das ihm der Lehrer vorschlägt. Er will lieber cool sein und auf Englisch singen, so wie seine ‚starken’ Stars, mit denen er sich identifiziert. Das muttersprachliche Lied aus seiner Kindheit könnte Ebenen in ihm anrühren, die er längst verdrängt hat, weil Verletzungen in diesen Bereichen nie aufgearbeitet wurden. Ein Lehrer darf solche Schutzmauern, die der Schüler selbst aufrechtzuerhalten versucht, natürlich nicht gewaltsam aufbrechen, indem er ihm nun gerade dieses Lied verordnet.

 

Aber er braucht auch nicht klein beizugeben und den Schüler immer nur fremdsprachige Titel singen zu lassen. Denn wenn der Schüler sich respektiert weiß und mehr Vertrauen zwischen ihm und seinem Lehrer entstanden ist, kann er sich mehr und mehr der eigenen Vergangenheit und Identität stellen. Er kann diese als wertvoll empfinden und dadurch frei werden, seine sprachlichen Ausdrucksmittel frei zu wählen, statt sich aus Angst selbst zu limitieren. Der Lehrer kann dem Schüler Wertschätzung zeigen, indem er sich in der ersten Stunde Zeit nimmt für ein Kennenlerngespräch.

 

Zu diesem Zeitpunkt müssen keine tief schürfenden Fragen gestellt werden. Selbst durch einen lockeren Smalltalk erhalten beide Seiten schon eine Fülle an Informationen. Der Lehrer kann die Sprechstimmlage, einen eventuellen dialektalen oder fremdsprachlichen Akzent, eventuelle Sprechauffälligkeiten des Schülers bemerken. Natürlich wird er sich darüber im Klaren sein, dass sowohl die Sprechhöhe als auch die dialektale Färbung der ersten Unterrichtsstunde nicht repräsentativ sein müssen. In anderen entspannteren Situationen kann sich mehr von dem eigentlichen Normalzustand der Sprechstimme des Schülers zeigen.

 

Der Schüler wiederum wird gerade in der ersten Stunde sehr auf die Haltung des Lehrers ihm gegenüber achten. „Darf ich mich so geben, wie ich bin? Schätzt mich der Lehrer höher ein, wenn ich im erzähle, was ich schon alles musikalisch geleistet habe? Wie findet er mich? Gefällt ihm meine Stimme? Ist sie ihm zu laut, zu leise, zu klassisch, zu schlicht? Wie sollte ich sprechen oder singen, um in den Augen des Lehrers ein guter Schüler und ein guter Sänger zu sein?“ Dies sind sehr menschliche Fragen, und für die Stimmentwicklung des Schülers kann es von entscheidender Bedeutung sein, wie er und sein Lehrer damit umgehen. Natürlich ist auch der Lehrer befugt, Vorlieben und Abneigungen sprachlicher, stilistischer und kultureller Natur zu äußern. Wichtig ist nur, dass er dem Schüler ein Gefühl der Gleichwertigkeit gibt.

 

Verschiedene sprachliche und künstlerische Geschmacksrichtungen können - auch wenn sie ganz und gar nicht gleich sind - doch gleichwertig behandelt werden. Am freiesten und unabhängigsten kann sich natürlich der Schüler entfalten, dessen Selbstwertgefühl nicht auf dem beruht, was er kann und tut, sondern auf dem, was er ist. Wenn ein Schüler so in sich selbst ruht, kann der Lehrer gar nicht viel verbiegen. Viele Schüler sind aber von einer Leistungsgesellschaft geprägt, in der die Anerkennung von außen eine große Rolle spielt. Diejenigen sind angesehen, die sich einem gewissen Modetrend anpassen und nur die Sprache, Musik und Kunst für gut halten, die die Medien gerade proklamieren. Doch die vorigen Kapitel dieser Arbeit haben zu zeigen versucht, dass eine Sprache nicht besser ist als eine andere, und auch eine Hochsprache nicht besser als ein Dialekt. Aufwertungen und Missachtungen von Dialekten und Fremdsprachen haben nichts mit ihrer Qualität zu tun, sondern mit politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Machtkonstellationen, mit Medienpolitik und Vorurteilen.

 

Lehrer, die der sprachlichen Heimat und Identität ihrer Schüler Wertschätzung entgegenbringen, die unabhängig von gesellschaftlichen Bewertungen und Rangordnungen ist, schaffen Freiraum für einen natürlichen und gesunden Zugang zu Sprechstimme, Singstimme und künstlerischer Ausdruckskraft. Wertschätzung hat viel mit Interesse zu tun. Wem etwas wirklich wichtig und kostbar erscheint, der investiert auch Zeit darein. Warum den Schüler nicht einmal ein Gedicht in seinem Dialekt lesen lassen! Man kann ihn fragen, in welcher Sprache er singen würde, wenn er allein auf einer Insel leben würde und niemand ihn hören könnte. Man kann ihn nach der Sprache seiner Eltern, seiner Kindheit und seiner Region fragen. Wer mehrsprachig aufgewachsen ist, den könnte man fragen, in welcher Sprache er schimpfen und in welcher er Liebesgedichte schreiben würde.

 

Wie stolz können gerade jüngere Schüler auf sich sein, wenn sie in der Schule vom Lehrer danach gefragt wurden, was ihnen persönlich wichtig ist, was sie lieben und was sie hassen! Insofern man Wertschätzung auch als „Zuwendung und Interesse bekunden“ umschreiben kann, sind hier auch die dunklen Seiten der Heimat und Identität gemeint. Der Begriff Heimat klingt heutzutage so süßlich sentimental. Aber mit Heimat ist hier nicht die verklärte Dorfidylle oder die nationalistische Idealisierung des Herkunftslandes gemeint. Es kann sehr wohl sein, dass beim Schüler hauptsächlich negative Erinnerungen und Gefühle geweckt werden, wenn er an die Sprache oder den Dialekt seiner Kindheit oder eines bestimmten Lebensabschnittes zurückdenkt. Ein Schüler, der sich respektiert weiß, kann mit seinem Lehrer viel eher auch über Aversionen und Antipathien im Bezug auf Sprache, Stimme und Gesang reden.

 

In der Folgezeit nach dem ersten Kennenlerngespräch folgen Unterrichtsstunden, wo richtig gearbeitet und auch korrigiert werden muss. Wertschätzung und Korrektur sind hier kein Widerspruch. Wenn ein Schüler einmal weiß und erfahren hat, dass der Lehrer ihn akzeptiert, so wie er ist, mit seiner Heimat, seiner Identität und seiner unveräußerbaren Würde, dann hat er auch die Freiheit, sich zu verändern, sich verändern zu lassen und sich Neuem zuzuwenden. Er hat die Freiheit, den Standard der deutschen oder englischen Bühnensprache exakt zu lernen. Denn er weiß jetzt, dass dies keine Leugnung seiner Identität bedeutet, sondern eine Erweiterung seines Horizonts und seiner Möglichkeiten.

 

Bewusstmachung

 

Sind erst mal die Steine der Verneinung und Missachtung aus dem Weg geräumt, so braucht der Schüler vor der Wahrnehmung und Bewusstheit seiner sprachlichen Prägung keine Angst mehr zu haben. Jetzt kann anhand von Gedichtrezitation oder Dialogen die natürliche Sprechstimme des Schülers entdeckt werden. Ein sehr hilfreiches Mittel für die Bewusstmachung von sprachlichen Eigenarten, Stärken und Problemen, ist das gemeinsame Anhören von Aufnahmen der Sprechstimme des Schülers. Hierbei ist auf möglichst verzerrungsfreie Aufnahmequalität zu achten. Kassettenrekorder, die durch instabile Laufgeschwindigkeiten nicht die originale Tonhöhe wiedergeben, oder Aufnahmen, die ein unausgewogenes Frequenzspektrum präsentieren, sind hier kontraproduktiv. Denn der Klangunterschied zwischen einem Ton, der im eigenen Körper schwingt und dem Ton, den ein externes Soundsystem produziert, ist so groß, dass Anfänger manchmal selbst bei einer unverzerrten Studioaufnahme ihre eigene Sprechstimme kaum wiedererkennen.

 

Aber schon mit einem guten Gesangsmikrofon, einem kleinen Qualitätsmischpult und einem einfachen Minidiskplayer kann jeder Gesangslehrer gute Aufnahmen von der Sprechstimme seiner Schüler machen. Bevor die Aufnahme abgespielt wird, sollte der Schüler über den physikalischen Unterschied zwischen äußerem und innerem Hören aufgeklärt werden, um einer unnötigen Befremdung vorzubeugen. Aber selbst, wenn dies dem Schüler klar ist, kann das Hören der eigenen Sprechstimme für den Schüler irritierend und unangenehm sein. Auf jeden Fall werden ein gewisser Überraschungseffekt und eine Verwunderung beim ersten Hören nicht ausbleiben. Ob die Verwunderung nun zu negativen oder positiven Gefühlen führt, hängt wiederum völlig davon ab, inwieweit der Schüler sich selbst mit seiner sprachlichen und stimmlichen Identität schon angenommen hat oder nicht. Vergleichbares ereignet sich tagtäglich vor Millionen von Spiegeln, wo Menschen sich mit sich selbst und ihrer Körperlichkeit auseinandersetzen müssen.

 

Nachdem der Schüler also einfühlsam auf die Wiedergabe der Sprachaufnahme vorbereitet wurde, kann das Bewusstwerden des Stimmklanges, des Sprachklanges, des Akzentes und der Eigenheiten beginnen. Zuerst darf der Schüler seinen Eindruck schildern. Wichtig ist, dass der Lehrer an dieser Stelle nicht bewertet, sondern die Aufmerksamkeit des Schülers durch behutsames Fragen auf Phänomene lenkt, die dem Schüler vorher nicht bewusst waren. Nicht bei jedem Schüler und nicht in jeder Phase der Stimmausbildung ist diese Maßnahme aus psychologischer Sicht ratsam, da sie, wenn sie unglücklich angewandt wird, zu einer entmutigenden Prägeerfahrung führen kann. Bei selbstsicheren und fortgeschrittenen Schülern kann sie aber sehr interessant und aufschlussreich sein und viele Worte und Erklärungen ersparen.

 

Ein weiteres Mittel zur Bewusstmachung der sprachlichen Prägung ist, den Schüler in mehreren Sprachen direkt nacheinander singen zu lassen. Ist der Schüler durch einen Dialekt geprägt, sollte mit einer kurzen Strophe zum Beispiel eines bekannten Volksliedes im Dialekt begonnen werden. Danach folgt ein ähnliches Lied in der Hochsprache und danach ein Lied in der ersten, zweiten, dritten.... Fremdsprache – je nach Prägung und Bildungsstand des Schülers. Je nach Region im deutschsprachigen Gebiet würde sich als Reihenfolge zum Beispiel ergeben:

 

SächsischÞ Hochdeutsch Þ Russisch Þ Englisch Þ Französisch

 

oder

 

SchwäbischÞ HochdeutschÞ EnglischÞ FranzösischÞ Spanisch.

 

In manchen Gebieten des deutschen Sprachraumes (vor allem Österreich, Schweiz, Bayern, BadenWürttemberg und Sachsen) kann der Dialekt so eine hohe Stellung einnehmen, dass die Satzmelodie und der Akzent einer nichtdeutschen Zweitsprache standardgemäßer beherrscht werden, als die Satzmelodie des auf der Bühne und in den Medien verbreiteten Hochdeutschen. Hier würde sich zum Beispiel die Reihenfolge ergeben:

 

SchweizerdeutschÞ FranzösischÞ Hochdeutsch ÞItalienischÞ Englisch.

 

Wichtig ist hierbei, dass nicht ein und dasselbe Lied in verschiedenen Übersetzungen verwendet wird. In sprachbewusstem Gesangsunterricht sollten Liedübersetzungen sowieso vermieden werden. Wird eine Textübersetzung auf derselben Melodie gesungen wie das Original, ergibt sich eine verwirrende Vertauschung der metrischen Schwerpunkte und der Vokalfarben – Tonhöhen – Dependenz, die vom Unterrichtsziel der Einheit zwischen Sprach- und Gesangsprosodie wegführt. Eine ähnlich unnatürliche Sprachbehandlung ergibt sich bei Instrumentalstücken, die nachträglich mit einem Text versehen werden, damit Sänger sie singen können, wie dies bei vielen Jazzstandards der Fall ist. Solche Stücke verleiten den Schüler geradezu dazu, den Eigencharakter der Sprache nicht zu beachten und sie wie eine Füllmasse für schöne Melodien zu verwenden.

 

Am wertvollsten für den Brückenbau zwischen Sprache und Gesang sind Originalvertonungen von Originalgedichten oder Libretti, bei denen die Melodie dem natürlichen Sprachrhythmus und der natürlichen Prosodie folgt. Werden solche Lieder aus verschiedenen Sprachräumen vom Schüler direkt nacheinander gesungen, so lässt sich sehr schön ‚herausschälen’, welche Auffälligkeiten seiner Gesangstechnik mit dem Phänomen Sprache zusammenhängen.

 

Eine weitere Möglichkeit, dem Schüler den Zusammenhang zwischen Sprachprägung und Singweise zu verdeutlichen, ist, Vokalisen statt auf einzelnen frei schwebenden Vokalen oder Halbklingern auf konkreten Wörtern aus verschiedenen Sprachen oder Dialekten zu singen. Werden die gleichen Tonfolgen mit den verschiedenen Übersetzungen ein und desselben Gegenstandes gesungen (zum Beispiel AutoÞ car Þ voiture, oder ÞBaumÞ tree Þ arbre) so wird unmissverständlich klar, dass der Unterschied der verschiedenen Sprachen nicht auf der inhaltlichen, sondern auf der formal klanglichen und damit auf der musikalischen Ebene liegt.

 

Neben diesen Einzelanwendungen gilt es - gerade bei der mehrjährigen Ausbildung desselben Schülers - in der Repertoirearbeit immer wieder konkret Fragen zur Sprachbewusstheit zu stellen.

 

Zum Beispiel bei der Arbeit an fremdsprachlichem Repertoire:

 

- Verstehst du, was du singst?

- Wie würde derselbe Satz in deiner Muttersprache lauten?

- Wie würdest du den Satz sagen, wenn du zornig/ verliebt/ enttäuscht/ abgeklärt/ überrascht/ schüchtern/ neugierig/ müde/ ungehalten bist?

-Wie würde ein Kind ihn aussprechen?

-Wie klingt der Satz, welche Laute und Geräusche entstehen, wenn man ihn überdeutlich ausspricht?

 

Zum Beispiel bei der Arbeit an muttersprachlichem Repertoire:

 

- Aus welcher Zeit stammt der Text? Würdest du diesen Inhalt auch so formulieren?

- Welche Wörter sind ungewöhnlich oder unpassend?

- Ist der Text eher derb oder gehoben, natürlich oder gekünstelt formuliert, umgangssprachlich oder gehoben formuliert?

- Wie würde man diesen Satz in Berlin auf der Straße / im Münchner Rathaus / beim Mainzer Karneval / auf einer Berner Almhütte / auf einem friesischen Kutter formulieren /aussprechen /singen?

- Was meinst du, wurden bei diesem Lied zuerst der Text oder die Melodie oder beide gleichzeitig geschrieben?

- Singe den Text auf einer Tonhöhe. Was bleibt übrig vom Sprachklang?

 

Übung

 

Es mag seltsam klingen, wenn man davon spricht, dass man Heimatbezogenheit, Identität, Leben in Würde und Freiheit einüben könne. Aber es geht jetzt in diesem letzten Schritt einfach darum, die Möglichkeiten der Sprachgestaltung, die einem bewusst und wertvoll geworden sind, so zu trainieren, dass sie einem auch beim nächsten Lampenfieber, bei der nächsten Prüfung oder im Stress des sängerischen Berufslebens zur Verfügung stehen.

 

Viele der nachfolgenden Vorschläge zum Sprachtraining für Sänger sprengen den Rahmen einer normalen fünfundvierzig- oder sechzigminütigen Gesangstunde. Diese soll ja in erster Linie der musikalischen und gesangstechnischen Arbeit dienen. Aber manches davon kann man doch Häppchenweise einfließen lassen, ohne dem Singen sein Platz zu streitig zu machen. In der professionellen Gesangsausbildung bleibt aber viel Raum, diese Dinge zusätzlich zum Hauptfachunterricht im Selbststudium oder im Präsentations-, Schauspiel- oder Sprecherziehungsunterricht einzuüben.

 

An deutschsprachigen Hochschulen stehen wir hier im Bereich Jazz und Popularmusik wieder vor dem Dilemma, dass der Sprech- und Schauspielerziehung zwar beste deutsche Lyrik und Prosa zur Verfügung stehen und man hier auch viel über Sprachgestaltung in der Muttersprache lernen kann. Sobald es aber an das eigentliche Singen geht, steht der Student vor der Wahl, entweder starke musikalische Einbußen zugunsten deutschen Repertoires zu machen, oder aber auf Englisch zu singen.

 

Wenn die Verwendung von muttersprachlichem Gesangsrepertoire eine Grundvoraussetzung für das Einüben eines natürlichen Sprachzugangs zum Singen ist (vgl. Kap. I Abschnitt 2), dann muss das vorhandene Material für Gesanglehrer zusammengestellt und neues komponiert werden. Das Recherchieren in diesem Bereich wäre ein interessanter Stoff für wissenschaftliche Arbeiten an Musikhochschulen oder musikwissenschaftlichen Seminaren. Dazu möchte diese Arbeit anregen. Ein weiterer Versuch auf der Suche nach Repertoire wäre die Einbeziehung klassischer Lieder in den modernen Gesangunterricht, die aber nicht mit der klassischen Technik gesungen werden. Dies ist jedoch ein heikler Bereich, der im Rahmen dieser Arbeit nicht ausgeführt werden kann. Die klassische Gesangschule beherrscht dieses Feld zu sehr, und zuweilen könnte man meinen, sie hätte die Schätze der deutschen Kulturgeschichte für sich gepachtet.

 

Aber die Trennung zwischen U- und E-Musik ist nicht im Grundgesetz verankert und keiner kann einem Sänger verbieten, Schumannlieder auf moderne Weise zu üben und zu singen und dadurch höchstinteressante Entdeckungen zu machen. Auch an dieser Stelle kann diese Arbeit nicht mehr sein als ein Appell an deutschsprachige Gesanglehrer, in diesem Bereich weiter zu forschen, auszuprobieren und zu entdecken. Die Freiheit, so etwas zu tun, kann auch eingeübt werden! Derjenige, der sich seiner Heimat, seiner Identität und seiner Würde bewusst geworden ist, bekommt diese Freiheit.

 

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